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Thema: Gerichtsbarkeit in Frankreich um 1625

  1. #11
    aphilia - master
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    70

    AW: Gerichtsbarkeit in Frankreich um 1625

    Zitat Zitat von Parrot61 Beitrag anzeigen
    Wer nach Schopenhauer leben kann, hat sein Therapiebedürnis (das haben wir doch alle?) philosophisch kultiviert.
    Das glaube ich auch.

    Ich habe von meiner Philosophieprofessorin viel gelernt - vor allem aber, auch die "Hohe Philosophie" nicht allzu ernst zu nehmen und mehr Wert auf das zu legen, was man einfach Lebenskunst nennt.
    Aber ich habe da noch viel zu lernen.

    Gestern habe ich den "Foucault" übrigens bekommen.
    Das Buch ist phantastisch geschrieben. Und sehr interessant.

  2. #12
    aphilia - prof
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    AW: Gerichtsbarkeit in Frankreich um 1625

    Zitat Zitat von Brynhilda Beitrag anzeigen
    Gestern habe ich den "Foucault" übrigens bekommen.
    Das Buch ist phantastisch geschrieben. Und sehr interessant.
    Es macht müßig und aufmüpfig.
    Ich habe den Eindruck, dass Foucault sogar wieder in Mode kommt. Was er beschreibt, hatte im Ostblock seine höchste Perfektion erreicht, am raffiniertesten in den "Psychiatrischen Anstalten".
    Ich treffe in der nächsten Woche einen Arzt aus Tschernjachowsk, der zu UdSSR-Zeiten in einer russischen Psychiatrie arbeitete. Die "Patienten" sympathisierten zumeist mit der litauischen Nationalbewegung.

    An diesen Orten war Lebenskunst gleichbedeutend mit Überleben. Was haben wir es da doch leichter, trotz aller Bankenkrisen und Steuererklärungen

    Liebe Grüße,
    le petit parrot

  3. #13
    Hajo
    aphilia - Gast

    AW: Gerichtsbarkeit in Frankreich um 1625

    Zitat Zitat von Parrot61 Beitrag anzeigen
    Es macht müßig und aufmüpfig.
    Ich habe den Eindruck, dass Foucault sogar wieder in Mode kommt. ...
    Hat sich leider nicht bewährt...
    Foucault sagt (verkürzt), dass "Wahnsinn" ein Konstrukt der Gesellschaft wäre. Dass also psychische Krankheiten nur deswegen existieren, weil sie diagnostiziert werden und dass die betroffenen in Anstalten kaserniert werden.

    Gehen wir nach Italien, zum Berluscini-Attentäter. Ich glaube nicht, dass sein Verhalten nur ein Konstrukt der Gesellschaft ist. Der Täter sieht das ja auch so. Gut, in anderen Kulturen wäre er vielleicht als Schamane oder Heiliger verehrt worden, aber wahrscheinlicher hätte man ihn als kriminell angesehen und hart bestraft.

    In Italien wurden in den 60/70er Jahren wg. Foucaults Ansichten die meisten Psychiatrien geschlossen und die "Insassen" entlassen. Die Folge war, dass sie draußen absolut nicht zurecht kamen. War das jetzt so, weil sie krank waren oder weil man sie zur Krankheit erzogen hatte?

  4. #14
    aphilia - prof Avatar von aphire
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    443

    AW: Gerichtsbarkeit in Frankreich um 1625

    Die Psychiatrien einfach zu schließen ist sicherlich nicht der richtige Weg (so wie der europäische Gerichtshofjetzt entschieden hat, die Sicherheitsverwahrung von Straftätern einfach aufzuheben).
    Rehabilitation braucht professionelle Hilfsangebote, psychologische Betreuung,Täter-Opfer-Ausgleich etc.
    Leben und leben lassen

  5. #15
    Unregistriert
    aphilia - Gast

    AW: Gerichtsbarkeit in Frankreich um 1625

    Zitat Zitat von Gernot Beitrag anzeigen
    Puh, 1625 heißt 1 Jahr nachdem Richelieu zum leitenden Minister Ludwigs XIII. ernannt wurde (und danach den Absolutismus gegen die Adelsherrschaft einführte, einschließlich einer Justizreform).
    Gestützt hat er sich dabei aber auf die französische Rechtstradition zwischen Ludwig IX. (13. Jahrhundert) bis zum mos gallicus (Humanisten).

    Ludwig IX. hat einiges geleistet:
    - Beamte mussten öffentlichen Eid ablegen
    (keine Geschenke annehmen, keine Verwandten begünstigen, das was heute dem Beamten selbstverständlich ist)
    - Amt des Oberrichters von Paris wurde gut besoldet (und nicht wie früher an den Meistbietenden versteigert)
    - Verbot des Zweikampfes als "Gottesurteil"
    - Einführung der Beweismittel der Zeugenaussage und der Urkunden

    Ludwig schlug eine Bresche gegen die vorherige Gleichheit von Stand, Macht und Recht. Das war die Voraussetzung, dass es dem kleinen Mann überhaupt in den Sinn kam, von den Gerichten etwas zu erwarten.

    Leider konnten sich Ludwigs Reformen nicht überall durchsetzen. Gerichtsherren blieben die Grundstücksherren, die französischen Barone. Sie handelten nach Gutdünken, bis sich die französische Rechtsschule des mos gallicus etablierte (einschließlich der Ausbildung von Juristen)

    Schönen Sonntagmittag noch,
    Gernot

    Das ist der falsche Louis!
    Nimm den Ludwig XIV, dann haut es hin...
    Im August 1670 unterzeichnete Ludwig einen Vorläufer der Strafprozeßordnung, die Kriminalverordnung mit einer Vereinheitlichung von Ermittlungsverfahren, Gerichtsverhandlung und Strafvollstreckung.
    Darin allerlei Artikel zu den gängigen Verbrechen Majestätsbeleidigung göttlicher oder irdischer Art, Duelle, Rebellion mit offener Gewalt.
    Und Vorschriften zur Zeugenanhörung, Gutachten von Chirurgen und Ärzten.
    Quelle: Muyard de Vouglans, Les Lois criminelles de France, Paris 1780

  6. #16
    Unregistriert
    aphilia - Gast

    AW: Gerichtsbarkeit in Frankreich um 1625

    'Les mots et les choses – Une archéologie des sciences humaines' ist für mich der geniale Schlüssel zur Erfindung der (wieder verschwundenen?) Humanwissenschaften, die sich mit dem Glück des Menschen beschäftigten. Im Zuge des umstrittenen Wirtschaftsnobelpreises sollte man das Werk wieder aus dem Schrank holen und ganz gewiss 'La langue d'économie' auf ihre Wurzeln zurückführen.

  7. #17
    philoparisenne
    aphilia - Gast

    AW: Gerichtsbarkeit in Frankreich um 1625

    Lest mal "paris-Stadt der Rebellen" von Ramon Chao / Ignatio Ramonet!
    Eine gute historische Hinführung zu den diversen Pariser Aufständen, ab den barriques der Sorbonne-Studenten und bis nach der französischen Revolution.

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