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Dürrenmatt (Kurzgeschichte)
Meine Kurzgeschichte heißt "Dürrenmatt":
Dürenmatt
Ich liebäugelte schon länger mit dem Gedanken - weil ich mein Leben niemals in einem Seniorenheim mit Sitztanzgruppen verbringen könnte - mich in die Kunst des Computers einführen zu lassen.
Da ich von Computerkursen für Senioren die schlimmsten Dinge gehört hatte, griff ich kurzerhand auf die per Heirat vergrößerte Familie zurück.
Das Los traf meinen Schwiegersohn, einen Doktor der Physik mit gehobenem Einkommen, der es in südlichen Gestanden zu einem Ferienhaus inclusive Bootsanlegeplatz gebracht hatte. Seine Promotion wurde gar mit "summa cum laude" ausgezeichnet. Wer so viel Erfolg mit diesen Computern nachweisen konnte - so dachte ich mir - war sicherlich auch höchst kompetent in der Weitergabe seiner Kunst. Einfühlsam sollte er mich in die Computergeheimnisse einweihen.
Der erste Versuch, mir das Email-schreiben beizubringen, scheiterte grandios. Naiverweise ging er davon aus, dass ich den Unterschied zwischen "Computer einschalten" und "Internet einschalten" bereits vor Beginn seiner ersten Lektion begriffen hätte.
Ebenso galt dies für Begriffe, die ich zuvor nur aus James-Bond-Filmen kannte. Für jedes und alles brauchte ich plötzlich ein "Passwort" und einen "Username". 1000 Möglichkeiten gab es, etwas richtig zu klicken und zu drücken, doch nur eine einzige richtige. Unser erster Computer-Unterricht endete mit einem beleidigtem Doktor der Physik, der mit hochrotem Kopf aus dem Zimmer rannte und die Türe hinter sich zuschlug. Es hört sich im Nachhinein fast süß an, doch es war schlimm, für beide Seiten.
In der zweiten Unterrichtseinheit haben wir uns auf das Thema "Computer anmachen, Computer ausmachen" beschränkt, was den erhitzten Gemütern gut tat.
In der dritten Stunde haben wir das zielgenaue Anpeilen von Ordnern auf dem Desktop geübt. Vorher musste ich mir große Erklärungen zwischen Desktop und Bildschirm anhören, die ich bis heute nicht verstanden habe.
In der vierten Stunde kam das Ein- und Ausschalten des Internets hinzu.
Einige Unterrichtsstunden später hatte ich endlich eine eigene Email-Adresse, und konnte Emails schreiben, lesen und ausdrucken.
Ich drucke auch heute noch gerne alles aus. Reale Ordner sind mir lieber als die Computerordner. Und reale Papierkörbe sind mir lieber als die Computerpapierkörbe.
Die realen Dinge kann ich sehen, anfassen und wegwerfen, wann immer ich es will.
Mein Schwiegersohn schüttelt immer den Kopf, wenn ich ihm meine Ordner mit den Ausdrucken zeige. Er meint, ich würde den Computer "nicht richtig nutzen". Das verstehe ich nun gar nicht. Schließlich hat er mir die Computerkunst selbst beigebracht. Diese Physiker sind schon ein eigenes Volk. Ich beginne Dürrenmatt zu begreifen.
Vielen Dank für das Mitlesen!
Soll ich diese Geschichte einem Verlag oder einer Zeitschrift anbieten, was meint ihr/meinen sie?
Liebe Grüße,
Panama
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