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Thema: Heinrich von Ofterdingen

  1. #1
    aphilia - bachelor
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    22.04.2010
    Beiträge
    4

    Heinrich von Ofterdingen

    Hallo,
    die meisten Studenten haben den Erziehungsroman Heinrich von Ofterdingen gelesen (von Novalis, eigentlich Friedrich von Hardenberg).
    Dazu meine Frage:
    Wo kommt dieser seltsame Name Ofterdingen her??

    Vermutungen habe ich schon die seltsamsten gehört:
    Eigentlich hieße es "Afterdingen
    oder
    Historische Person
    oder
    Ein Kunstname von Novalis
    etc.

    Vielen Dank für Aufklärung und viele Grüße!

  2. #2
    aphilia - prof Avatar von Steinlaus
    Registriert seit
    03.02.2009
    Beiträge
    331

    AW: Heinrich von Ofterdingen

    Heinrich von Ofterdingen ist Teil des mitteldeutschen Gedichtes "Wartburgkrieg", um 1260. Im ersten Teil tritt er mit dem Landgrafen Walther und dem Dichter Wolfram von Eschenbach auf, im zweiten Teil unterliegt Heinrich von Ofterdingen im Rätselspiel gegen Wolfram.
    Mit Afterdingen* hat er nichts am Hut!

    Grüße von der Steinlaus

    *wer kommt denn auf sowas? doch hoffentlich niemad aus der Professorenschaft

  3. #3
    Unregistriert
    aphilia - Gast

    AW: Heinrich von Ofterdingen

    Zitat Zitat von Schwarzbierküste Beitrag anzeigen
    Hallo,
    die meisten Studenten haben den Erziehungsroman Heinrich von Ofterdingen gelesen (von Novalis, eigentlich Friedrich von Hardenberg).
    Dazu meine Frage:
    Wo kommt dieser seltsame Name Ofterdingen her??
    Am wahrscheinlichsten ist die These, dass sich Novalis auf einen Sänger aus dem Ort Ofterdingen bezog, der beim Sängerwettstreit auf der Wartburg teilnahm.

    Aus der Webseite der Gemeinde Ofterdingen:


    Rede zur Einweihung am 17.05.2009 von Andreas Futter
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    die Gestalt des Heinrich von Ofterdingen ist in unserer abendländischen Kultur fest verwurzelt und führt dort eine sehr lebendige Existenz.
    Im Folgenden wollen wir uns dem Heinrich über die historischen Fakten und über die künstlerische Rezeption, die er über die Jahrhunderte hinweg erfahren hat, annähern.

    In einer, in lateinischer Sprache verfassten Pergamenturkunde von 1266, aus dem Kloster Alpirsbach, ist ein" H(enricus) Decan(us) de Ofterti(n)g(en) als Zeuge aufgeführt.
    Nachweislich war dieser Heinrich von Ofterdingen von 1266 -1284 als Dekan im Gebiet Hechingen tätig. Ob dieser Heinrich allerdings mit dem Minnesänger Heinrich identisch ist lässt sich nicht eindeutig nachweisen.

    Ein gewichtiges Dokument findet sich in der berühmten Manessischen Liederhandschrift aus dem 14. Jahrhundert.
    Auf über 100 gemalten Bildern so genannten Miniaturen werden die Verfasser der damaligen Dichtkunst in idealisierter Form dargestellt.
    Auf einer dieser Miniaturen sind die Teilnehmer des so genannten Sängerkriegs auf der Wartburg abgebildet. Jede der beteiligten Personen ist durch nebenstehende Namensnennung zu identifizieren.
    So finden wir auch Heinrich von Ofterdingen in diesem Kreis der berühmtesten Dichter und Sänger der Zeit. Unter den anderen fünf Teilnehmer finden sich so gewichtige Künstler wie Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach.

    Eigentümlich ist hierbei dass, sich zu allen Beteiligten mehr oder weniger historische Spuren finden lassen, nur zu Heinrich von Ofterdingen nicht,er bleibt völlig rätselhaft.
    Aber sollte gerade er, nur eine erdichtete Gestalt sein?

    Und weiter; ist diese Miniatur der Manessischen Handschrift nun also Abbildung von Realität oder Abbildung einer Sage?

    Es ist wohl beides. Sagen entstehen ja bekanntlich, indem verschiedene Geister einen wahren Kern kunstvoll ausschmücken und Hinzufügungen vornehmen.Wir befinden uns also im Zwischenbereich von Realität und Dichtung.

    Doch nun zu der Geschichte des Sängerwettstreites auf der Wartburg selbst:

    Alle beteiligten Sänger stimmen ein Loblied auf den Gastgeber, den Landgrafen Hermann von Thüringen an. Heinrich tut das allerdings nicht, sondern er preist einen anderen; Leopold Herzog von Österreich, in den höchsten Tönen. Dies stellt für alle Anwesenden eine ungeheure Provokation dar; Heinrich wird zum Verlierer des Wettbewerbes erklärt.
    Und somit ist er, nach den zuvor festgelegten Regeln, dem Tode geweiht und soll am nächsten Baum aufgehängt werden. Heinrich aber flüchtet unter den Mantel der Landesfürstin, die ihm Schonung gewährt.

    Heinrich wird somit zur allegorischen Figur für Zivilcourage, er zeigt sich als Mensch der sich nicht schrecken lässt seine Meinung kundzutun, obgleich er dabei sein Leben aufs Spiel setzt.

    Jahrhunderte später haben sich trotz, oder gerade wegen diesem spärlichen Wissen um Heinrich von Ofterdingen die Phantasien vieler Künstler an ihm entbrannt.

    Ab1799 schrieb der Dichter Novalis an einem Roman, der unter dem Titel "Heinrich von Ofterdingen" Berühmtheit erlangen sollte. Es ist eine vielschichtige, kunstvoll gewobene Geschichte, in welcher sich Heinrich von Ofterdingen-bemerkenswerterweise als Poet - auf die Suche nach der blauen Blume begibt.
    Diese blauen Blume, wurde zum Sinnbild für Sehnsucht und Erkenntnis.

    In der Folge greifen die Künstler aber vor allem die Geschichte um Heinrich als Mitstreiter beim Sängerkrieg auf der Wartburg auf.

    Beispielsweise nehmen auch die Gebrüder Grimm die Geschichte in ihrer Sammlung der "deutschen Sagen" mit auf.

    1819 schreibt der Dichter E.T.A. Hoffmann eine recht gespenstische Erzählung um Heinrich von Ofterdingen, betitelt "der Kampf der Sänger".

    1838 verschmelzt Richard Wagner, der große Opernkomponist, in seiner Oper Thannhäuser die Sagengestalt des Thannhäuser und die Gestalt des Heinrich von Ofterdingen zu einer Person und macht Heinrich zur Hauptperson dieser Oper, die von Liebe Sünde und Erlösung handelt.



    http://www.ofterdingen.de/ceasy/modu...p5?cPageId=118

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