Ein herzliches Hallo an Alle!
Nachdem ich hier schon lange nur mitlese, möchte ich mich einmal als Lehrerin zu Wort melden. Mein etwas ausführlicherer Bericht:
Ich habe mich vor einem Vierteljahrhundert auf das Wagnis Schule eingelassen! Ich unterrichte z.Zt. 26 Stunden an einem Gymnasium. Früher waren es nur 23 Stunden, eigentlich sollten es 24 Std. sein, aber eine meiner Kolleginnen fällt bis zu den Sommerferien krankheitsbedingt aus, und ihre Klasse habe ich jetzt auch noch.
Das sehr Positive was ich sagen kann ist, dass ich mir durch den guten Verdienst keine materiellen Sorgen mehr machen muss. In der heutigen Zeit ist das ja nicht selbstverständlich. Mein Lehreralltag sieht folgendermaßen aus:
Ich unterrichte 6 verschiedene Klassen mit je 30 Schülern (im Schnitt!). Ich muss in diesem Schuljahr 26 Klassenarbeiten korrigieren, da ich fast ausschließlich mein Korrekturfach unterrichte („ich als erfahrene Kollegin...“). Da ich überwiegend in der Unterstufe eingesetzt bin, muss ich oft an den neuen Überarbeitungen des neuen Schulkurricullums mitarbeiten, neue Materialien testen usw. Die Fachschaft des einen Fachs möchte, dass ich mich dort engagiere, da ich dort ja so viel unterrichte (ich halte den Rekord im ganzen Kollegium mit 22 Std, die nächste 16 Std), die andere Fachschaft möchte mir natürlich die Gelegenheit geben mich mehr zu engagieren, weil ich ja so wenig in diesem Fach unterrichte. Nunja. Wahrscheinlich werde ich im Nächsten Schuljahr Fachobfrau für Französisch. De facto bin ich das schon längst.
Anstrengend ist manchmal mein Konrektor: ich habe seine Klasse übernommen, die bei ihm so „richtige Überflieger“ (o.ton) waren. Leider nur bei ihm! Bei mir (und bei allen anderen Lehrerinnen und Lehrern) sind sie so richtig mittelprächtig und entprechend sehen die Noten aus. Da stehen natürlich alle Eltern auf der Matte, und der Konrektor bei mir! Jetzt muss ich alle Teilergebnisse aller Teilaufgabe für ihn dokumentieren, damit er entscheiden kann, ob und was an der Arbeit zu schwer war! Ich kann über Korrekturen und Nachkorrekturen nicht klagen.
In meiner 5. Klasse (Gymnasium!) wimmelt es vor Problemschülern aller Couleur: Hochbegabte, ADS-Kinder, einer hat sogar einen Suizidversuch hinter sich (9 Jahre alt!) und jede Menge „Kronprinzen“ ohne Impulskontrolle! Ich komme mir da schon langsam vor, wie eine Gruppentherapeutin!
Meine psychologische Seite ist so stark gefordert, dass ich manchmal nicht dazu komme, meine Stunden richtig vorzubereiten. Ein lockerer Halbtagsjob ist Lehrerin ganz bestimmt nicht. Zu Glück arbeite ich mit einem netten Kollegium zusammen, ich hätte mir sonst schon manchmal überlegt, das Handtuch zu werfen.
Ich will nicht nur jammern, es gibt auch schöne Zeiten und tolle Erlebnisse mit den Schülern, aber es ist heute anstrengender als vor 20 Jahren. Ein dickeres Fell habe ich mir für die Schule zulegen müssen!
LG Peggy

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