Hallo,
kennt sich hier jemand mit dem Asperger-Syndrom aus?
Einer mein Schüler (11.Klasse) wirkt insgesamt sehr distanziert, irgendwie "überkorrekt" und in sich starr und verkrampft. Er ist einerseits extrem unsicher (hätte z.B. am liebsten, dass ich ihm ständig etwas diktiere, weil er meint, nicht formulieren zu können), gleichzeitig ist er erstaunlich beharrlich (nahezu penetrant), wenn es darum geht, sich irgedwelche Privilegien auszuhandeln.
Das Problem, das ich mit ihm habe, liegt vor allem darin, dass ich ihm schon x-mal ausführlich erklärt habe, dass es nichts bringt, wenn ich ihm einfach etwas vorkaue. Ich rede mir praktisch den Mund fusselig und versuche auch, ihm zu erläutern, dass man z.B. vor der Konzeption eines Referates erst einmal Fachliteratur gesichtet und ausgewertet haben muss. Meist heißt es dann, dass er das bis zur nächsten Stunde tun wird, aber in dieser Stunde auf jeden Fall noch etwas von mir abgeschrieben werden muss.
Kurz: Ich habe das Gefühl, es muss nach seinen Vorstellungen laufen - auf meine Ratschläge lässt er sich nicht ein, weil das seinen Vorstellungen irgendwie widerspricht. Hätte ich nicht den Verdacht, dass er nicht anders kann, würde ich ihm die Meinung sagen, aber ich glaube, damit sollte ich vorsichtig sein. Ganz offensichtlich gelingt es ihm meistens auch nicht wirklich, zu erkennen, was in seinem Gesprächspartner gerade vorgeht (was schließlich auch typisch für Asperger wäre).
Weitere Punkte, die meinen Verdacht erhärten, sind ein meist nicht vorhandener Blickkontakt, so eine Art "Zwangshandlung", die er exzessiv ausführt, und die Tatsache, dass er teils extrem naiv wirkt. Seine Sprache ist von zahlreichen "eheheh's" durchsetzt und man hat den Eindruck, dass er quasi jeden Gedanken mühsam herausquetschen muss. Von den Noten her ist er mindestens durchschnittlich intelligent ist. Ich würde mich aber nicht wundern, wenn er auf irgendeinem Gebiet ein enormes Spezialwissen hätte. Für Asperger wäre das "normal".
Meine Zwickmühle ist nun, wie ich mit ihm arbeiten soll, wenn er nicht auf mich hört und wir fast in jeder Stunde vor dem gleichen Problem stehen. Ich bin nicht gewillt, ihn alles durchgehen zu lassen. Andererseits kann ich ihn auch nicht total hängenlassen. Unser momentaner Stand ist der, dass er zur nächsten Stunde seine Literatur zusammengesucht haben muss. Ich bin mir aber fast sicher, dass er nur wieder einen Stapel meiner eigenen Handouts dabei haben wird.
Was macht man mit so einem Asperger-Schüler ganz konkret? Um den heißen Brei reden bringt bei ihm gar nichts; deshalb versuche ich möglichst Klartext mit ihm. Leider scheint es aber nicht wirklich bei ihm anzukommen.

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