AVDS AVDS
aphilia
aphilia
aphilia
+ Antworten
Ergebnis 1 bis 9 von 9

Thema: Asperger-Syndrom

  1. #1
    aphilia - bachelor
    Registriert seit
    15.06.2009
    Beiträge
    14

    Asperger-Syndrom

    Hallo,
    kennt sich hier jemand mit dem Asperger-Syndrom aus?

    Einer mein Schüler (11.Klasse) wirkt insgesamt sehr distanziert, irgendwie "überkorrekt" und in sich starr und verkrampft. Er ist einerseits extrem unsicher (hätte z.B. am liebsten, dass ich ihm ständig etwas diktiere, weil er meint, nicht formulieren zu können), gleichzeitig ist er erstaunlich beharrlich (nahezu penetrant), wenn es darum geht, sich irgedwelche Privilegien auszuhandeln.

    Das Problem, das ich mit ihm habe, liegt vor allem darin, dass ich ihm schon x-mal ausführlich erklärt habe, dass es nichts bringt, wenn ich ihm einfach etwas vorkaue. Ich rede mir praktisch den Mund fusselig und versuche auch, ihm zu erläutern, dass man z.B. vor der Konzeption eines Referates erst einmal Fachliteratur gesichtet und ausgewertet haben muss. Meist heißt es dann, dass er das bis zur nächsten Stunde tun wird, aber in dieser Stunde auf jeden Fall noch etwas von mir abgeschrieben werden muss.

    Kurz: Ich habe das Gefühl, es muss nach seinen Vorstellungen laufen - auf meine Ratschläge lässt er sich nicht ein, weil das seinen Vorstellungen irgendwie widerspricht. Hätte ich nicht den Verdacht, dass er nicht anders kann, würde ich ihm die Meinung sagen, aber ich glaube, damit sollte ich vorsichtig sein. Ganz offensichtlich gelingt es ihm meistens auch nicht wirklich, zu erkennen, was in seinem Gesprächspartner gerade vorgeht (was schließlich auch typisch für Asperger wäre).

    Weitere Punkte, die meinen Verdacht erhärten, sind ein meist nicht vorhandener Blickkontakt, so eine Art "Zwangshandlung", die er exzessiv ausführt, und die Tatsache, dass er teils extrem naiv wirkt. Seine Sprache ist von zahlreichen "eheheh's" durchsetzt und man hat den Eindruck, dass er quasi jeden Gedanken mühsam herausquetschen muss. Von den Noten her ist er mindestens durchschnittlich intelligent ist. Ich würde mich aber nicht wundern, wenn er auf irgendeinem Gebiet ein enormes Spezialwissen hätte. Für Asperger wäre das "normal".

    Meine Zwickmühle ist nun, wie ich mit ihm arbeiten soll, wenn er nicht auf mich hört und wir fast in jeder Stunde vor dem gleichen Problem stehen. Ich bin nicht gewillt, ihn alles durchgehen zu lassen. Andererseits kann ich ihn auch nicht total hängenlassen. Unser momentaner Stand ist der, dass er zur nächsten Stunde seine Literatur zusammengesucht haben muss. Ich bin mir aber fast sicher, dass er nur wieder einen Stapel meiner eigenen Handouts dabei haben wird.

    Was macht man mit so einem Asperger-Schüler ganz konkret? Um den heißen Brei reden bringt bei ihm gar nichts; deshalb versuche ich möglichst Klartext mit ihm. Leider scheint es aber nicht wirklich bei ihm anzukommen.

  2. #2
    Unregistriert
    aphilia - Gast

    AW: Asperger-Syndrom

    Guten Tag, ich bin auf Ihre Frage gestossen. Ich bin Vater eines 10-Jährigen Aspergers. Gemäss ihren Beschreibungen, wäre sehr plausiebel, dass Sie es mit einen Asperger-Fall zu tun haben. Ich rate Ihnen, eine Beratungsstelle für Autismus aufzusuchen. Es ist schön von Ihnen, dass Sie sich so verständnissvoll zeigen können.Sie haben recht, dieses Kind kann gar nicht anders. Trotzdem ist Ihre Geduld nicht vergebens. Er wird sehr gorsses Vertrauen in Sie haben. Ein plötzlicher Umschwung ihres Verhaltens, könnte sich fatal niederschlagen, was sehr schade für beide Seiten wäre. Es braucht dafür viel Kraft. Dass es jedoch auf Dauer keine Lösung ist für Sie, ist ebensoklar. Bei einer Fachstelle wird ihnen bezüglich teaching sicherlich geholfen.Ebenso ein Gespräch und Einbezug mit den Eltern ist wichtig. Das Thema wäre zu komplex, um es in ein paar Zeilen festhalten zu können. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft. Grüsse aus der Schweiz.

  3. #3
    aphilia - bachelor
    Registriert seit
    15.06.2009
    Beiträge
    14

    AW: Asperger-Syndrom

    Dank für ihre moralische Unterstützung,
    in kleinen Schritten geht es mit dem Schüler auch immer wieder gut voran. Ich habe mittlerweile einen Beobachtungsbogen, auf dem ich regelmäßig die Fortschritte eintrage, und ich gehe davon aus, dass in der Zeit bis zu den Sommerferien noch einige dazukommen werden.

    Auf jeden Fall werde ich mir zusätzlich professionellen Rat zum Asperger-Autismus holen.

    Viele Grüße
    Claire

  4. #4
    aphilia - master
    Registriert seit
    26.04.2009
    Ort
    Thüringen
    Beiträge
    70

    AW: Asperger-Syndrom

    Mit solchen Ferndiagnosen sollte man sich zurückhalten.
    Es ist oftmals zu leicht gedacht, wenn man Verhaltensauffälligkeiten von Kindern gleich auf eine psychische Störung reduzieren möchte.

    Meiner Ansicht nach spricht das Verhalten des Jugendlichen nicht für einen Asperger-Autismus.
    Litte der Junge darunter, dann müßte man ihm nicht sagen, für ein Referat Fachliteratur zu wälzen. Dann würde er das von sich aus tun. Und er ließe sich auch nichts diktieren, im Gegenteil würde er sich durch eine große Selbständigkeit in Denken und Handeln auszeichen.

    Berühmte Betroffene: Albert Einstein, Isaac Newton, Glen Gould.

    Aber das spielt alles eigentlich keine Rolle.
    Es verbietet sich, wenn man kein Fachmann ist, das Verhalten eines anderen Menschen zu pathologisieren, indem man es zum Symptom einer Krankheit macht. Das verbietet sich übrigens auch für Fachleute ohne eine ausführliche Diagnose.

  5. #5
    Unregistriert
    aphilia - Gast

    AW: Asperger-Syndrom

    Ich bin Psychologe und kenne einen jungen Mann mit Aspergersyndrom (den ich aber nicht beruflich behandle, weshalb ich in anonymisierter Form darüber berichte):

    Wenn ich mit ihm spreche tut er mir sehr leid. Er ist durch und durch verunsichert, verängstigt, seine Stimme hört man kaum, so leise ist sie, und er hat eine schwere soziale Phobie. Ich hoffe, dass er etwas dagegen unternimmt, ich schätze, alleine wird das sehr kritisch für ihn. Ich sehe immer wieder Menschen, die ihn kritisieren, was ihn noch tiefer verunsichert.
    Ich denke, dass in seinem Elternhaus sehr, sehr viel schiefgelaufen ist, er wurde wahrscheinlich nie in seinem Leben bestätigt. Ich fühle mich bei Alltagsgesprächen mit ihm selbst hilflos. Manchmal rede ich viel, da er kaum den Mund aufbekommt vor lauter Angst.
    Ich hoffe, er lässt sich irgendwann helfen.

  6. #6
    Lia
    Lia ist offline
    aphilia - master Avatar von Lia
    Registriert seit
    19.01.2009
    Ort
    Niedersachsen
    Beiträge
    93

    AW: Asperger-Syndrom

    Wers gelesen hat: Die Verblendung von Stieg Larsson
    Einen "Touch of Asperger" hat Lisbeth Salander

  7. #7
    Unregistriert
    aphilia - Gast

    AW: Asperger-Syndrom

    Zitat Zitat von Brynhilda Beitrag anzeigen
    Mit solchen Ferndiagnosen sollte man sich zurückhalten.
    Es ist oftmals zu leicht gedacht, wenn man Verhaltensauffälligkeiten von Kindern gleich auf eine psychische Störung reduzieren möchte.

    Meiner Ansicht nach spricht das Verhalten des Jugendlichen nicht für einen Asperger-Autismus.
    Litte der Junge darunter, dann müßte man ihm nicht sagen, für ein Referat Fachliteratur zu wälzen. Dann würde er das von sich aus tun. Und er ließe sich auch nichts diktieren, im Gegenteil würde er sich durch eine große Selbständigkeit in Denken und Handeln auszeichen.

    Berühmte Betroffene: Albert Einstein, Isaac Newton, Glen Gould.

    Aber das spielt alles eigentlich keine Rolle.
    Es verbietet sich, wenn man kein Fachmann ist, das Verhalten eines anderen Menschen zu pathologisieren, indem man es zum Symptom einer Krankheit macht. Das verbietet sich übrigens auch für Fachleute ohne eine ausführliche Diagnose.
    Einsteins zweiter Sohn Eduard hatte wie sein Vater eine psychische Störu ng. Er musste die meiste Zeit seines Lebens im Sanatorium Burghölzli verbringen. Eduard Einstein war musisch und literarisch begabt, konnte aber an den Vater nicht anknüpfen.
    (Ob diese Störung als Asperger bezeichnet werden kann, ist nicht bekannt.)
    Was feststeht, ist dass Albert Einstein leider ein schlechter Vater war.

  8. #8
    Unregistriert
    aphilia - Gast

    AW: Asperger-Syndrom

    Seine Distanz zum Sohn hat Einstein selbst zugegeben:

    "Ich bin ein richtiger Einspänner, der dem Staat, der Heimat, dem Freundeskreis, ja, selbst der engeren Familie nie mit ganzem Herzen angehört hat, sondern all diesen Bindungen gegenüber ein sich nie legendes Gefühl der Fremdheit und des Bedürfnisses nach Einsamkeit empfunden hat."

    Vielleicht ist das eine gute Beschreibung des Asperger-Syndroms aus der Feder eines Betroffenen.

  9. #9
    aphilia - prof Avatar von aphire
    Registriert seit
    19.11.2008
    Beiträge
    443

    AW: Asperger-Syndrom

    Einstein Senior war ja bekanntlich ein guter Musiker. Das spricht dafür, Menschen mit Asperger auf eine künstlerische Begabung zu testen und zu unterstützen.
    Leben und leben lassen

+ Antworten

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein