Das Thema "Schönheitswettbewerb", Schwäche, und Angst lässt mir gerade gar keine Ruhe. Glaube, das ist ein zentraler Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben. Ich muss dazu sagen, dass ich mich nicht als "schön" empfinde.
Wenn ich jemanden als schön, stark und vielleicht auch mal als dominant wahrnehme, denke ich gleich: --> Pass auf, dass du nicht beherrscht und untergebuttert wirst, dass du in ein Raster gepresst wirst, aus dem du nicht mehr raus kommst, weil du so elendig schwach bist und dich nicht durchsetzen kannst! Das ist eine meiner größten Ängste! Wirklich verstehen können sie wohl nur ebenso schwache und unsichere Menschen, die die Stärke von anderen schon öfter zu spüren bekamen. Ich bekam sie schon als Kind in der Schule zu spüren. Starke Menschen ahnen nicht, welches Aggressionspotential man als unsicherer Mensch in anderen oft auslöst. Es ist echt fast wie im Tierreich: Survival of the fittest. Auf die Schwachen und nicht Schönen wird "draufgehauen", sie werden getreten, ihnen wird ein übler Schimpfnahme gegeben, es werden Lieder gegen sie umgedichtet und von der ganzen Klasse gesungen (ist mir alles passiert).
Ich bin im Schönheitswettbewerb die letzte gewesen. Die anderen hatten einen Freibrief, die aufgestauten Aggressionen mal so richtig abzulassen. Im Angesicht von einer Schwächeren fühlt man sich endlich mal stark!
Später im Beruf bin ich dann zwar nicht mehr von der Meute angegangen worden, aber seelisch von denen die es brauchten. Ich wurde als seelische Mülltonne benutzt und von anderen ausgenutzt, weil ich mich ja nicht wehrte und nicht nein sagen konnte. Beliebt war ich trotzdem nie. Wen interessieren schon Menschen ohne eigene Meinung. Sie sind nur der Notnagel, wenn keine andere beliebtere Person in Sicht ist. Ich bin der Meinung, dass man den wahren Charakter von Menschen daran erkennt, wie sie sich Menschen gegenüber verhalten, die schwach sind und ihnen nichts nutzen.
Ich glaube, meine Kindheitserfahrungen sind der Grund, warum ich mich in Beziehungen heftigst gegen Bewertungen jeder Art wehre, ich verbinde damit nur negatives. Ebenso gegen Bevormundung und Einmischung ( --> jetzt wirst du auch noch im vermeintlich sicheren Beziehungsraum fertiggemacht und ausgenutzt). Mir ist es wichtig, dass mein Partner die Schwäche an mir akzeptieren kann und mich nicht überrollt und sich vielleicht auch mal selber zurücknimmt, wenn er spürt, dass ich mich nicht so wohl fühle mit der Situation. Das schafft bei mir Vertrauen und dann spüre ich bei mir auch das Potential zu mehr innerem Wachstum und ich spüre in mir die Stärke. Am Schlimmsten ist es für mich, wenn ich mich für etwas entschieden habe, das durchsetzen will und der andere lässt mich nicht gewähren und drückt stattdessen sein eigenes Vorhaben durch. Dann fühle ich mich einerseits von ihm verraten und gleichzeitig auch selbst als Verräterin (ich kapituliere mal wieder vor der Stärke des anderen und verrate meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse).
Ich denke irgendwie, wer nicht wirklich in seinem inneren Wesen diese Unsicherheit und Schwäche besitzt, kann nicht wirklich nachfühlen, wie die Reaktionen anderer auf einen sind. Wie man angeherrscht und beschimpft wird, wenn man etwas nicht (auf diese Weise) will, während man das "Nein" bei anderen ohne mit der Wimper zu zucken akzeptiert.
Schönen Menschen wird lieber weitergeholfen, sie werden bevorzugt und immer nett und freundlich behandelt, bei hässlichen Menschen gibt man sich weniger Mühe und denkt: Sollen die sich doch selbst helfen. Die Schönen werden nie verstehen, warum die "Hässlichen" denn ein so schlechtes Menschenbild haben, die Mitmenschen sind doch alle so nett. Es gilt im ganzen Leben ein heimlicher Schönheitswettbewerb, an dem jeder ungefragt teilnehmen muss.

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