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Thema: Hochbegabung und Psychotherapie

  1. #1
    aphilia - bachelor
    Registriert seit
    11.04.2010
    Beiträge
    1

    Hochbegabung und Psychotherapie

    Guten Tag!

    Gerne möchte ich hier das Arbeitsfeld meiner Kollegin Eva Gabriel vorstellen und zur Diskussion freigeben.
    Über Feedback, Denkanstöße und Kritik freuen wir uns!

    Herzliche Grüße aus dem Ruhrgebiet!
    Eva Breslein



    Aspekttherapie in Aktion

    Das Schicksal des großen "Spiegels" oder "das Hochbegabungsprinzip".

    In unserer leistungsbezogenen Gesellschaft wird das Phänomen der Hochbegabung häufig ausschließlich unter dem Aspekt überdurchschnittlicher Intelligenz betrachtet. Die meist weitaus vielschichtigeren Begabungen eines Hochbegabten, wie beispielsweise sein ausgeprägtes Wahrnehmungsvermögen, führen jedoch nicht zwangsläufig dazu, dass er dem Normalbegabten gegenüber im Vorteil ist. Geradewegs zum Nachteil gereichen ihm nämlich seine Befähigungen genau dann, wenn er schicksalhaft bedingt Aspekte seiner Persönlichkeit nicht benennen konnte, weil in seinem kindlichen Umfeld niemand zur Verfügung stand, der ihn hierzu hätte angemessen spiegeln können.

    So wird er später oft ohne Bewusstheit über die eigene Hochbegabung zwar umgehend wahrnehmen, wenn er in der Interaktion mit anderen falsch erkannt wird, jedoch in den Aspekten, in denen er sich selbst nicht gefunden hat, wird er seinem Gegenüber keine Information senden können, wer er ist. Sein Schicksal ist es daher, unter seelischem Kraftaufwand die Zuweisungen und Projektionen seiner Umwelt abwehren zu müssen, denn er weiß zwar, WER er NICHT ist, aber er durfte niemals gespiegelt erkennen, WER er selbst IN GANZHEIT ist. Depressionen und Rückzug und sogenannte soziale Auffälligkeiten, wie auch Aggressionen, die eigentlich den Wunsch nach Beachtung und Aufmerksamkeit ausdrücken, sind häufig auftretende Reaktionsweisen des Hochbegabten, mit seiner seelischen Isolation klarzukommen.

    In dem Bewusstsein, dass hochbegabte Menschen Zusammenhänge mehrdimensional betrachten, soll der Klient bei seiner eigenständigen Entwicklung eines ihm angemessenen Selbstfindungsprogramms unterstützt werden. Bestandteil des Interaktionsangebots im Rahmen von Aspekttherapie ist dabei die Einführung in eine Selbsttherapie, durch die der Hochbegabte das ihm in zwischenmenschlicher Begegnung stets nach demselben Prinzip Gebotene wie durch Hochrechnung so umwandeln kann, dass es für ihn zur persönlichen Weiterentwicklung verwertbar wird. Wesentlich ist dabei die Erkenntnis, dass ein Hochbegabter aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten keine Psychotherapie benötigt, sondern in der Begegnung mit anderen stets nur valide Informationen sucht. Ihm Impulse zu geben, damit er in Transferleistung seine eigenen Antworten auf seine seelischen Fragen finden kann, ist im Klientenkontakt die therapeutische Aufgabe.


    http://www.generationen-betrachten.d...hbegabung.html

  2. #2
    aphilia - prof Avatar von aphire
    Registriert seit
    19.11.2008
    Beiträge
    443

    AW: Hochbegabung und Psychotherapie

    Zitat Zitat von breslein Beitrag anzeigen
    Sein Schicksal ist es daher, unter seelischem Kraftaufwand die Zuweisungen und Projektionen seiner Umwelt abwehren zu müssen, denn er weiß zwar, WER er NICHT ist, aber er durfte niemals gespiegelt erkennen, WER er selbst IN GANZHEIT ist. Depressionen und Rückzug und sogenannte soziale Auffälligkeiten, wie auch Aggressionen, die eigentlich den Wunsch nach Beachtung und Aufmerksamkeit ausdrücken, sind häufig auftretende Reaktionsweisen des Hochbegabten, mit seiner seelischen Isolation klarzukommen.
    Hallo,
    das ist leider sehr wahr, bzw. es kann sehr wahr sein. Hochbegabte werden von ihrer Umwelt gerne in eine Besonderheitsecke gedrängt. DER IST JA SOOO.. jetzt einsetzen: mathematisch, musikalisch, kreativ, was auch immer.
    Für die Umwelt ist das ein Abwehrmechanismus gegen den Hochbegabten (oder die Hochbegabte, ich lass das jetzt weg), aber der "Betroffene" selbst will einfach nur sein normales Leben leben, er fühlt sich gar nicht so besonders.
    Die Umwelt schickt ihn dann irgendwo passend hin, bei Kindern ist es dann der Altgriechischkurs oder sie lernen Programmieren, Chinesisch, etc.
    Wer fragt aber nach der Persönlichkeit, die so viel wichtiger als die Fähigkeiten sind?
    Mitleid oder wenigstens Verständnis hat die Umwelt wenig. Reaktionen wie "der kann nicht mal die einfachsten Dinge, obwohl er doch so schlau sein soll" sind an der Tagesordnung.

    Grüße von aphire
    Leben und leben lassen

  3. #3
    Unregistriert
    aphilia - Gast

    AW: Hochbegabung und Psychotherapie

    Wehe, die nicht erkannte Begabung / Hochbegabung führt das Kind auf die schiefe Bahn. Ich schreibe das in Verneigung vor der verstorbenen Alice Miller: "Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst".
    Ich jedem Kind steckt ein schöpferisches Potential, das eine dunkle, zerstörerische Seite entwickeln kann. Hitler, Stalin, Nero, Pol Pot wurden nicht als Mörder geboren!

  4. #4
    georgo
    aphilia - Gast

    AW: Hochbegabung und Psychotherapie

    Wow!

    Eine sehr, sehr hilfreiche Erklärung nicht nur für die große Kränkbarkeit Hochbegabter durch Interpretationen anderer, die schmerzhafte Einsamkeitserfahrung wieder aufwühlen. Unvollständig gespiegelt worden zu sein und damit eine Teil des Ichs nicht erkennt haben zu dürfen, erklärt meines Erachtens auch gut die Schwierigkeit vieler Hochbegabter ihren Platz in der Welt, speziell im Beruf zu finden. Man hat die Überzeugung, da noch auf was achten zu müssen, was aber nicht zu sehen ist.
    Andererseits: Geht das nicht allen so? Ist das wirklich so hochbegabtenspezifisch und werden nicht auch anders Begabte oft falsch verstanden? Versucht nicht jede tiefenpsychologische Therapie speziell dieses Thema zu bewältigen?
    Die Abgrenzung würde mich interessieren.

    Danke auf jeden Fall

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