Jetzt deuteln alle an der Ursache der Wirtschaftskrise herum: Von der CDU bis zu den Grünen, der Wirtschaftswoche bis zur Financial Times Deutschland. Schuld sind die Parallelwelten der Banken und Finanzinvestoren, und die arme Politik, die der Entwicklung hinterherhechelt.
Und wer hat's erfunden? Die christliche Soziallehre. Nachzulesen bei Friedhelm Hengsbach, geschrieben schon im Jahr 1999, also kurz vor dem Aufstieg und Zusammenbruch des Neuen Marktes und weit vor dem jetzigen Bankencrash.
Ich zitiere:
"Das Bankensystem ist mit einer Kredit- und Geldschöpfungsmacht ausgestattet, dem ersten Glied einer weiter wirkenden Spirale: Die privaten Geschäftsbanken gewähren den Unternehmen, die nachweisen können, daß ihre Profiterwartungen plausibel sind, Kredite. Damit können Produktionsmittel gekauft und Arbeitskräfte entlohnt werden. Nachdem die vorfinanzierte Produktion der Güter und deren Absatz erfolgreich abgeschlossen sind, werden aus dem erzielten Überschuß die Profite entnommen und die Kredite zurückgezahlt.
Die Übermacht der Banken wird noch dadurch zugespitzt, daß sie die Geschäftsführung der Manager nicht nur als Kreditgeber, sondern auch über das Depotstimmrecht und die Unternehmensbeteiligungen kontrollieren können. Die Machtasymmetrie bei der kontrolle der Unternehmen äußert sich auch in der Funktion, die den Finanzmärkten zugeschrieben wird.
Kapitalanleger und Anlagefonds behandeln Unternehmen ausschließlich als Vermögensanlage. Sie können die Beteiligungsmehrheit erwerben, Manager einsetzen, die ihnen genehm sind, profitable Unternehmenskerne ausschlachten, die Restbetriebe weiterverkaufen oder samt ihren Belegschaften 'verschrotten'"
Quelle: Friedhelm Hengsbach: Sind globale Märkte und Menschenrechte Kompatibel? In: Jahrbuch Menschenrechte 2000, Suhrkamp Verlag Frankfurt 1999.
Eine brillante Analyse, die ungehört in den Weiten des Finanzimperiums verhallte. Und es geht weiter mit einem nachdenkenswerten Lösungsansatz. Hengsbach fordert:
"...eine Bändigung der Finanzmärkte. Währungsturbulenzen und flatterhafte Aktienkurse durchkreuzen die Investitionspläne von Unternehmen, verunsichern die Gütermärkte und beeinträchtigen die Beschäftigung. Solche Risiken lassen sich eingrenzen, indem die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden nicht nur als Feuerwehr stärker kooperieren. In der Europäischen Währungsunion ist eine solche Kooperation institutionell verankert worden. Sie wird in dem Maß menschenrechtsverträglich, als die Fesseln einseitig monetärer und fiskalischer Konvergenzkriterien gelöst werden, die Hegemonie einer Währung beseitigt und die Ziele des magischen Vierecks - Wachstum, Vollbeschäftigung, Geldwertstabilität und außenwirtschaftliche Absicherung - gleichwertig gewichtet werden."
alles 1999 geschrieben, aber mit Ausnahme der Eindämmung von Währungschwankungen leider wenig beachtet bzw. umgesetzt. Jetzt besinnt man sich wieder darauf, notgedrungen.

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